AfD auf Rekordkurs: Warum Misstrauen die Partei unaufhaltsam macht
Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) verzeichnet seit ihrer Gründung im Jahr 2013 einen stetigen Aufstieg in den Umfragen. Was einst als EU-skeptische Kraft begann, führt Anfang 2026 mit 20 bis 25 Prozent der Wählerstimmen bundesweite Erhebungen an. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani warnt, dass dieser Aufstieg tiefgreifendere gesellschaftliche Verschiebungen widerspiegelt – Entwicklungen, die sich nicht allein durch das Aufdecken von Versagen der Partei umkehren lassen.
In seinem jüngsten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" untersucht El-Mafaalani, wie der schwindende Glaube an Institutionen populistische Bewegungen befeuert. Der Aufstieg der AfD, so seine These, hänge mit einem breiteren Vertrauensverlust in Gerichte, Medien und Wissenschaft bei bestimmten Wählergruppen zusammen.
Die Entwicklung der AfD war von deutlichen ideologischen Verschiebungen geprägt. Als Partei mit Kritik an der Euro-Währung gegründet, wandte sie sich bald antieinwanderungspolitischer Rhetorik und rechtspopulistischen Positionen zu. 2017 erreichte sie bei der Bundestagswahl 24,3 Prozent der Stimmen und wurde drittstärkste Kraft. 2021 führte sie in ostdeutschen Bundesländern die Umfragen an, erzielte bundesweit 10,3 Prozent und dominierte 2024 Regionalwahlen mit über 30 Prozent in Thüringen und Sachsen.
Der Einfluss der Partei beschränkt sich nicht auf Wahlergebnisse. Ihre Haltung zu Migration und EU-Skepsis prägt die öffentliche Debatte, während Proteste und Medienkampagnen die gesellschaftliche Spaltung vertiefen. 2025 stufte der deutsche Verfassungsschutz die AfD als "gesichert rechtsextrem" ein – doch ihre Unterstützung wächst weiter.
El-Mafaalanis Forschung zeigt einen zentralen Mechanismus auf: Misstrauische Menschen schließen sich zunehmend mit Gleichgesinnten zusammen, die ihre Skepsis teilen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" lehnen etablierte Institutionen ab und sammeln sich hinter Parteien wie der AfD. Digitale Plattformen haben diesen Trend verstärkt, indem sie es gleichgesinnten Gruppen ermöglichen, sich zu vernetzen und ihre Ansichten zu festigen.
Die Erkenntnisse des Soziologen erklären auch den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump. El-Mafaalani warnt, dass selbst dann, wenn die AfD ihre Versprechen nicht einlöst, ihre Anhänger sie kaum verlassen werden. Ihr Misstrauen gegenüber der Demokratie sitze zu tief, als dass einfache Ernüchterung sie umstimmen könnte.
Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins "FUTURZWEI", stellt eine drängende Frage: Wie kann die Gesellschaft dieser Populismuswelle begegnen? El-Mafaalanis Arbeit legt nahe, dass herkömmliche Strategien – etwa die Widerlegung von Falschinformationen oder das Bloßstellen von Inkompetenz – nicht ausreichen. Die eigentliche Herausforderung liege darin, das Vertrauen in Institutionen wiederherzustellen, bevor sich populistische Bewegungen noch weiter verankern.
Mittlerweile ist die AfD in einigen Regionen Deutschlands zur stärksten Partei aufgestiegen; ihre Politik und Rhetorik prägen zunehmend die nationale Diskussion. Geheimdienste beobachten ihre extremistischen Verstrickungen, doch ihre Wählerbasis bleibt ihr treu. El-Mafaalanis Analysen deuten auf einen nachhaltigen Wandel hin: Ist Misstrauen erst einmal verwurzelt, erfordert seine Überwindung mehr als politischen Widerstand.
Ohne gezielte Anstrengungen, das Vertrauen in demokratische Institutionen zu stärken, werden sich die Trends, die den Erfolg der AfD tragen, voraussichtlich fortsetzen.






