Deutschlands Wälder kämpfen um ihr Überleben gegen Klimawandel und Schädlinge
Cynthia MatthäiErholungsdestination, Traumziel, Geduldig - Was gut für den Wald ist - Deutschlands Wälder kämpfen um ihr Überleben gegen Klimawandel und Schädlinge
Deutschlands Wälder unter Druck: Klimawandel, Schädlinge und Mensch belasten die Ökosysteme
Deutschlands Wälder stehen vor wachsenden Bedrohungen durch den Klimawandel, invasive Schädlinge und menschliche Aktivitäten. Bäume, die einst Hunderte von Jahren überdauern sollten, kämpfen heute damit, älter als 50 Jahre zu werden – während neue Krankheiten und Extremwetter ihnen zusätzlich zusetzen. Gleichzeitig belasten steigende Zahlen von Wanderern und Radfahrern die empfindlichen Ökosysteme.
Jahrzehntelang galt Luftverschmutzung als größte Gefahr für die deutschen Wälder. Doch heute richtet der Klimawandel weitaus schwerere Schäden an. Fichten, einst prägend für die Landschaft, sterben aufgrund von Hitze, Dürre und Borkenkäferbefall ab. Zwischen 1986 und 2020 vernichteten diese Käfer jährlich rund 180.000 Hektar Wald. Bis 2100, so die Prognosen von Experten, könnte diese Fläche auf 216.000 Hektar ansteigen – besonders betroffen sind die östlichen Regionen wie Thüringen.
Doch nicht nur Fichten leiden. Das Eschensterben, das sich von Asien über Nordosteuropa ausbreitete, hat Deutschland erreicht und dezimiert die heimischen Eschenbestände. Buchen werden durch Krankheiten geschwächt, während sich Eichenprozessionsspinner und Rußrindenkrankheit – beide auch für den Menschen gefährlich – in den wärmeren Bedingungen ausbreiten. Unregelmäßige Niederschläge verschärfen den Stress: Die Bäume müssen entweder mit anhaltender Dürre oder mit wassergesättigten Böden zurechtkommen.
Die Probleme beschränken sich nicht auf natürliche Ursachen. Der Asiatische Laubholzbockkäfer, eingeschleppt durch Verpackungsmaterialien, schädigt inzwischen europäische Wälder. Gleichzeitig ermöglichen Mountainbikes und E-Bikes Fahrern, tiefer in abgelegene Gebiete vorzudringen – mit dem Risiko weiterer Schäden, wenn sie die markierten Wege verlassen. In Nordrhein-Westfalen und anderen Regionen gibt es kaum Zugangsbeschränkungen für Wälder, sodass die Besucherzahlen hoch bleiben und die ohnehin belasteten Waldgebiete zusätzlich strapaziert werden.
Forstverantwortliche reagieren, indem sie Laubbäume in fichtendominierte Gebiete einbringen. Mit dieser Strategie soll ein widerstandsfähigerer "Baumbestand" entstehen, der besser auf künftige Herausforderungen vorbereitet ist.
Die kombinierten Auswirkungen von Schädlingen, Klimaveränderungen und menschlichem Einfluss verändern Deutschlands Wälder grundlegend. Bäume, die einst über ein Jahrhundert wuchsen, werden heute bereits mit 40 oder 50 Jahren gefällt. Ohne Gegenmaßnahmen werden die Schäden für die Ökosysteme – und die Risiken für den Menschen – weiter zunehmen.