15 April 2026, 06:46

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung – Ende einer deutschen Ära

Schwarze und Weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile "Weitpreubliche Zeitung" und einer Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung, die feierlich appears.

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung – Ende einer deutschen Ära

Ein historischer Wechsel in Österreichs Medienlandschaft: Die Krone wird zur reinen Familienangelegenheit

Ein tiefgreifender Wandel in der österreichischen Medienbesitzstruktur bahnt sich an: Christoph Dichand steht kurz davor, die volle Kontrolle über die Kronen Zeitung zu übernehmen. Der Schritt erfüllt ein lang gehegtes Familienerbe und beendet zugleich die deutsche Beteiligung an der einflussreichsten Tageszeitung des Landes. Gleichzeitig markiert das Geschäft das endgültige Aus des Funke-Medienkonzerns in Österreichs größter Boulevardzeitung.

Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht das Erbe zweier Medien-Dynastien – einer deutschen und einer österreichischen – sowie ihre jahrzehntelange Verflechtung im Printjournalismus.

Die Geschichte beginnt 1948, als Jakob Funke, Sohn eines Krupp-Schlossers, in Bochum die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) gründete. Das Blatt entwickelte sich im Laufe der Zeit zur größten Regionalzeitung Deutschlands und entfaltete sogar über die Landesgrenzen hinaus Einfluss – auch auf Teile der österreichischen Medienszene.

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1959 brachte Hans Dichand die Kronen Zeitung auf den Markt, finanziell unterstützt vom deutschen Unternehmer Kurt Falk, der bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil hielt. Um die Abläufe zu optimieren, gründeten Falk und Dichand 1988 die Mediaprint – ein Joint Venture, das Werbung, Druck und Vertrieb für die Kronen Zeitung, die Wiener Kurier und die WAZ-Gruppe koordinierte. Die redaktionelle Unabhängigkeit der Titel blieb dabei gewahrt.

Nach Hans Dichands Tod gingen seine Anteile – und mit ihnen die Abneigung gegen die deutschen Miteigentümer – an seinen Sohn Christoph über. Nun hat Christoph Dichand die Zustimmung erhalten, die verbleibenden Funke-Anteile zu übernehmen. Wird der Deal vollzogen, liegt die Kronen Zeitung künftig vollständig in den Händen der Familie Dichand – und erfüllt damit einen langjährigen Wunsch des verstorbenen Patriarchen.

Die Dichand-Geschwister – Christoph, sein Bruder Michael (Biobauer) und Schwester Johanna (Kunstsammlerin) – werden dann gemeinsam Österreichs auflagenstärkste Zeitung besitzen. Branchenbeobachter verweisen unterdessen auf Berichte, wonach die mit der ÖVP verbundene Raiffeisen-Gruppe Einfluss auf den Kurier anstrebt – ein direkter Zusammenhang mit der Dichand-Transaktion wurde jedoch nicht bestätigt.

Doch die Verbindungen zwischen Bochum und Wien beschränken sich nicht auf die Medienwelt. Zwei spätere Burgtheater-Direktoren, Claus Peymann (1986) und Matthias Hartmann (2009), leiteten zuvor das Bochumer Schauspielhaus – ein stiller, aber beständiger kultureller Austausch zwischen den beiden Regionen.

Mit dem Kauf scheidet die letzte deutsche Beteiligung an der Kronen Zeitung aus; die Zeitung wird damit zur rein österreichischen Familienangelegenheit. Christoph Dichands erfolgreiches Übernahmeangebot kappt zudem eine der letzten Verbindungen zwischen dem Funke-Medienimperium und Österreichs Presse.

Obwohl Mediaprint weiterhin Logistik und Vertrieb für mehrere Titel übernimmt, bleiben die operativen Verflechtungen zwischen Kronen Zeitung, Kurier und den ehemaligen WAZ-Assets bestehen. Die Finalisierung des Deals wird einen definitiven Wendepunkt in der 65-jährigen Geschichte der Zeitung markieren.

Quelle