Holzingers Sancta polarisiert mit radikaler Körperkunst an der Staatsoper Stuttgart
Cynthia MatthäiHolzingers Sancta polarisiert mit radikaler Körperkunst an der Staatsoper Stuttgart
Florentina Holzingers umstrittene Performance Sancta kehrte am 1. Oktober an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Premiere sorgte trotz einer deutlichen Trigger-Warnung für mehrere medizinische Notfälle. Diese provokante Neudeutung von Paul Hindemiths einst verbotener Oper Sancta Susanna hat bereits heftige Reaktionen beim Publikum ausgelöst.
Sancta interpretiert Hindemiths 1921 uraufgeführte, wegen angeblicher Gotteslästerung zensierte Oper Sancta Susanna neu. Holzinger setzt sich darin mit religiösen und gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen auseinander – durch extreme Körperlichkeit, Nacktheit und aufsehenerregende Symbolik. Zu den Szenen gehören Körperaufhängungen und inszenierte Hautabziehungen, die an die Wunden Christi und das Thema Erlösung erinnern.
Dirigentin Marit Strindlund, auf Einladung von Stuttgarts Opernintendant Viktor Schoner, lobte Holzingers Werk als inklusiv, aufklärerisch und unterhaltsam. Besonders fasziniert habe sie die Verbindung von Performance-Kunst, Musik und radikaler Bildsprache. Die Produktion ermöglicht es Frauen, ihren Platz in der christlichen Geschichte zurückzuerobern – ein rebellischer Angriff auf institutionelle Machtstrukturen durch rohe, ungebändigte Ausdrucksformen.
Weitere Vorstellungen sind für den 3., 4. und 5. Oktober geplant, Karten sind noch erhältlich. Die Termine am 1. und 2. November sind jedoch bereits ausverkauft – ein Zeichen für das große öffentliche Interesse.
Die Premiere von Sancta hat bereits für Spaltung gesorgt: Einige Zuschauer mussten medizinisch versorgt werden. Mit ihrer kompromisslosen Auseinandersetzung mit Glauben, Geschlecht und Macht bleibt die Produktion ein Gesprächsthema. Die Staatsoper Stuttgart wird die Spielreihe wie geplant fortsetzen; für die Oktobertage sind noch Tickets verfügbar.






