Janinhoff stellt Ziegelproduktion auf grünen Wasserstoff um – ohne Stillstand
Songül EigenwilligJaninhoff stellt Ziegelproduktion auf grünen Wasserstoff um – ohne Stillstand
Janinhoff GmbH & Co. KG baut sein Werk in Münster um und wird damit Deutschlands erster Ziegelhersteller, der vollständig von Erdgas auf grünen Wasserstoff umsteigt. Der Schritt erfolgt im Rahmen einer Klimaschutzvereinbarung mit der Bundesregierung, die tiefgreifende Emissionssenkungen bis 2030 und 2042 vorsieht. Die Arbeiten laufen bereits: Die Anlage modernisiert ihren Brennofen und Effizienzsysteme, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen.
Das vor über einem Jahrhundert gegründete Unternehmen Janinhoff ist spezialisiert auf die Herstellung von Ziegeln und Klinkern. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen markiert einen Meilenstein für eine Branche, die derzeit jährlich rund 1,74 Millionen Tonnen CO₂ ausstößt – größtenteils durch den Einsatz von Erdgas in hochtemperaturintensiven Prozessen wie Brenn- und Schmelzvorgängen.
Der Umbau konzentriert sich auf drei zentrale Bereiche: die Verlängerung des Brennofens, die Steigerung der Energieeffizienz und die Vorbereitung auf künftige Wasserstoff-Pipeline-Anbindungen. Grüner Wasserstoff, Elektrifizierung und Hybridtechnologien sollen die Anlage flexibler und klimafreundlicher machen. Dr. Caroline Foyer-Clitheroe, Leiterin der Klinkerproduktion, bezeichnet den Wandel als weit mehr als symbolisch – es handele sich um eine komplette Transformation der Unternehmensprozesse.
Laut der Vereinbarung mit der Regierung hat sich Janinhoff verpflichtet, die Emissionen bis 2030 um mindestens 60 Prozent und bis 2042 um 90 Prozent zu reduzieren. Die neue Produktionslinie wird ein nahezu CO₂-freies Fassadenprodukt herstellen und damit Maßstäbe für nachhaltige Baumaterialien setzen.
Das Projekt zeigt, wie industrielle Prozesse ohne Produktionsausfälle von fossilen Energieträgern unabhängiger werden können. Janinhoffs Investitionen in grünen Wasserstoff und Effizienzmaßnahmen fügen sich in die größeren Bestrebungen ein, die Schwerindustrie zu dekabonisieren. Bei Erfolg könnte das Modell ähnliche Umstellungen in der gesamten deutschen Ziegel- und Klinkerbranche anstoßen.






