Kölner Archiv-Einsturz 2009: Wie ein Diebstahl die Stadtgeschichte zerstörte
Adelinde WalterKölner Archiv-Einsturz 2009: Wie ein Diebstahl die Stadtgeschichte zerstörte
Eine schwere Katastrophe erschütterte Köln im Jahr 2009, als das historische Stadtarchiv während U-Bahn-Bauarbeiten in sich zusammenstürzte. Das Gebäude beherbergte 1,7 Millionen Dokumente, die über 1.000 Jahre Stadtgeschichte abdeckten. Zwei junge Männer verloren ihr Leben, als der Grundwasserkrater die Baustelle verschlang.
Der Einsturz ereignete sich, nachdem kritische Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit derart großen Projekten verfügten, hatten die Bauarbeiten überwacht. Als die Katastrophe geschah, verbrachten Rettungskräfte Monate damit, Papierfragmente zu sichten und sie in 20 Notarchiven zu verteilen.
Die juristischen Folgen zogen sich über Jahre hin. Es gab Verurteilungen und Freisprüche, doch bis 2024 wurden alle noch ausstehenden Anklagen fallen gelassen. Unterdessen blieb die Baustelle eine offene Wunde – erst 2023 wurde der Krater teilweise verfüllt. Durch den Einsturz neigte sich zudem der Turm der Kirche St. Johann-Baptist, der seitdem den Spitznamen "Kölner Schiefer Turm" trägt.
Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich seit 2011 für eine angemessene Erinnerung an die Katastrophe ein. Nun, da die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie wiederaufgenommen werden, soll der provisorische Beton entfernt werden. Das Projekt verspricht nach Fertigstellung eine Fahrzeitverkürzung von acht Minuten.
Der Einsturz zerstörte unwiederbringliche Aufzeichnungen und hinterließ tiefe Narben in der Stadt. Mit dem Abschluss der juristischen Verfahren und dem Fortschreiten der Bauarbeiten ringt Köln weiterhin mit dem Erbe der Katastrophe. Die Fertigstellung der U-Bahn-Linie markiert einen weiteren Schritt in einem langen Prozess der Bewältigung.






