Viersen droht bis 2031 die Pleite – IHK warnt vor fatalen Folgen
Viersen steuert auf eine finanzielle Krise zu: Bis 2026 droht ein Haushaltsdefizit von 39 Millionen Euro. Ohne grundlegende Reformen könnte die Stadt bis 2031 insolvent werden, warnt die Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Organisation fordert die Kommunalpolitik nun zum Handeln auf – allerdings ohne Steuererhöhungen oder Belastungen für die Wirtschaft.
Die Haushaltslage der Stadt verschärft sich zunehmend. Bis 2029 werden jährliche Fehlbeträge von 25 bis 35 Millionen Euro erwartet, getrieben durch steigende Ausgaben in der Jugendhilfe (plus 6,7 Millionen Euro) und höhere Kreisumlagen (plus 7 Millionen Euro). Viersen erhebt bereits die zweit höchsten Grundsteuern für Gewerbeimmobilien im IHK-Bezirk – weitere Erhöhungen würden die Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen. Auch der Hebesatz der Gewerbesteuer liegt mit 460 Punkten deutlich über dem Bundesschnitt von 409 und benachteiligt die Stadt.
Die IHK kritisiert, dass die Ausweisung neuer Gewerbegebiete nur schleppend vorankommt, obwohl die Wirtschaftsförderung Expansionspotenziale identifiziert hat. Zudem warnt sie vor weiter steigenden Personalkosten, während die Stadt gleichzeitig auf freiwillige Konsolidierungsmaßnahmen setzt. Statt Steuererhöhungen empfiehlt die IHK eine engere Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, etwa durch gemeinsame Dienstleistungen und Einkaufskooperationen, um Kosten zu sparen.
Viersens Probleme sind kein Einzelfall. Eine KfW-Studie von 2025 zeigt, dass 19 Prozent der deutschen Kommunen – rund 2.900 – aufgrund finanzieller Engpässe ihre Infrastruktur nicht mehr ausreichend erhalten können. Auch in Nordrhein-Westfalen kämpfen Städte wie Bergisch Gladbach mit ähnlichen Herausforderungen: Hier wird bis 2026 ein Defizit von 50 Millionen Euro erwartet. Zwar liegen keine genauen Zahlen für ganz NRW vor, doch das Muster deutet darauf hin, dass viele Kommunen nach interkommunalen Lösungen suchen müssen.
Sollten andere Maßnahmen scheitern, könnte der Haushaltsentwurf für 2027 dennoch höhere Grund- oder Gewerbesteuern vorsehen. Die IHK betont jedoch, dass Steuererhöhungen die Wirtschaftskraft Viersens weiter schwächen würden. Stattdessen fordert sie eine beschleunigte Ausweisung von Gewerbegebieten und stärkere regionale Partnerschaften, um die Insolvenzgefahr bis Anfang der 2030er-Jahre abzuwenden.