Bergisch Gladbach droht 2027 die Pleite – kann der Haushalt 2026 die Krise noch abwenden?
Harro PohlBergisch Gladbach droht 2027 die Pleite – kann der Haushalt 2026 die Krise noch abwenden?
Bergisch Gladbach steuert auf eine sich verschärfende Finanzkrise zu: Der Haushalt 2026 weist ein Defizit von fast 50 Millionen Euro auf. Angesichts steigender Kosten und einer schrumpfenden Industrie warnt der städtische Kämmerer, dass die Insolvenz bis 2027 unvermeidbar sein könnte. Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen stehen nun zur Debatte, doch die Opposition schlägt alternative Lösungsansätze vor.
Die wirtschaftliche Lage der Stadt hat sich im vergangenen Jahr weiter zugespitzt. Bereits zu Beginn des Jahres 2025 planten 38 Prozent der ansässigen Industriebetriebe Stellenabbau. Zwei große Arbeitgeber, die Papierfabrik Zanders und das Unternehmen Isover, stellten den Betrieb ein – mehr als 500 Arbeitsplätze gingen verloren. Als Gründe für die Schließungen wurden hohe Abgaben und strenge Nachhaltigkeitsauflagen genannt.
Im Februar 2026 erklärte Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, die Deindustrialisierung schreite rasant voran. Gleichzeitig versagte der Haushalt für Klimaschutzmaßnahmen beim Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser, was Zweifel an seiner Wirksamkeit aufkommen ließ.
Der Haushaltsentwurf 2026 sieht schmerzhafte Maßnahmen vor: Steuererhöhungen, Kürzungen im Klimaschutzmanagement und weniger Mittel für Stadtmarketing. Auch die Personal- und Finanzabteilungen sollen umstrukturiert werden. Trotz dieser Schritte zeigt sich der Kämmerer pessimistisch, ob die Pleite innerhalb eines Jahres noch abzuwenden ist.
Die AfD-Fraktion im Rat hat als Reaktion einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, um den Haushalt ohne Steuererhöhungen auszugleichen. Dazu gehören der Ausbau der Kinderbetreuung, die Verbesserung der Straßeninstandhaltung und eine Reform der Asylpolitik, um Integrationskosten zu senken. Florian Fornoff (AfD) präsentierte die Vorschläge in einer Haushaltsdebatte und plädierte für strengere Rückführungregelungen sowie realistischere Prognosen bei den Gewerbesteuereinnahmen. Zudem schlägt die Partei vor, Geoinformationssysteme zu bündeln und die Kapazitäten der Stadtentwicklung zu stärken.
Bergisch Gladbach steht nun vor einer Weichenstellung. Der Haushalt 2026 sieht höhere Steuern bei gleichzeitigen Kürzungen in zentralen Bereichen vor. Angesichts des industriellen Niedergangs und steigender Kosten muss die Stadt entscheiden: Folgt sie dem Sparkurs der AfD oder setzt sie auf den bisherigen Weg? Die Entscheidung wird nicht nur die finanzielle Zukunft prägen, sondern auch das Leben der Bürgerinnen und Bürger.






