Digitale sexualisierte Gewalt: Fast jeder zweite Jugendliche in Deutschland betroffen
Cynthia MatthäiDigitale sexualisierte Gewalt: Fast jeder zweite Jugendliche in Deutschland betroffen
Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland
Eine aktuelle Studie zeigt, dass nahezu jeder zweite Jugendliche in Deutschland von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen ist. Ob durch Cybergrooming oder Belästigung in Klassenchats – das Problem ist in Schulen und Familien immer präsenter. Expert:innen fordern nun bessere Präventionsmaßnahmen, vor allem durch Aufklärung und die Unterstützung von Erwachsenen.
Wie eine Auswertung der Jugendsexualitätsstudie ergab, erlebt fast die Hälfte der jungen Menschen sexualisierte Gewalt im Netz. Täter:innen nehmen dabei oft über Chatplattformen Kontakt zu Kindern auf und steigern schrittweise die Intensität – von harmlosen Gesprächen bis hin zu Missbrauch. Diese Methode, bekannt als Cybergrooming, ist nur eine von vielen Formen digitaler Gewalt, der Jugendliche ausgesetzt sind.
Häufig finden Übergriffe auch innerhalb von Peer-Groups statt, angetrieben durch Naivität oder Gruppenzwang. Klassenchats und soziale Medien werden so zu Orten, an denen Grenzen überschritten werden – oft ohne spürbare Konsequenzen. Lehrkräfte erkennen zwar die Schwere des Problems, fühlen sich aber oft überfordert und schlecht vorbereitet, um angemessen zu reagieren.
Yasmina Ramdani, Expertin für die Prävention digitaler Gewalt, leitete ein dreijähriges Pilotprojekt an Thüringer Schulen. In Workshops erreichte sie rund 5.000 Schüler:innen, mit dem Ziel, deren Erfahrungen zu bestätigen, sie über ihre Rechte aufzuklären und Missbrauch vorzubeugen. Ramdani betont, dass die Sicherheit von Kindern im Netz maßgeblich davon abhängt, wie gut Erwachsene sie begleiten und vorbereiten.
Eltern kommen dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie sollten ihr eigenes Verhalten reflektieren und mit ihren Kindern über Grenzen sprechen. Gleichzeitig haben Fälle wie die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf digitale Gewalt als ernstzunehmendes Problem gelenkt. Fachleute argumentieren, dass eine wirksame Bekämpfung eine umfassendere Strategie erfordert – einschließlich der Überprüfung von Tech-Konzernen und ihren Plattformen.
Das Pilotprojekt in Thüringen ist ein erster Schritt, um digitale sexualisierte Gewalt an Schulen anzugehen. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte der Jugendlichen betroffen ist, bleiben Aufklärung und das Engagement von Erwachsenen entscheidend. Langfristige Lösungen werden jedoch von gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen abhängen – etwa durch politische Reformen und unternehmerische Verantwortung.






