20 April 2026, 14:38

Dresdner Obergrabenpresse: Wie ein Underground-Kollektiv die DDR-Kunst prägte

Ein detailliertes Zeichnung des Schlosshof-Gebäudes in Dresden, Deutschland, mit zahlreichen Fenstern und Statuen, auf Papier gezeichnet mit begleitendem Text.

Dresdner Obergrabenpresse: Wie ein Underground-Kollektiv die DDR-Kunst prägte

In den 1970er-Jahren in Dresden fanden sich eine Gruppe von Künstlern und Druckern zusammen, um etwas Neues zu schaffen. Was als lockere Zusammenarbeit begann, entwickelte sich bald zur Dresdner Obergrabenpresse – einem Kollektiv, das zugleich als Künstlervereinigung, Druckwerkstatt, Verlag und Galerie fungierte. Das Projekt vereinte zentrale Figuren der Dresdner Underground-Kunstszene und verband kreativen Geist mit handwerklicher Präzision in einer Zeit begrenzter künstlerischer Freiheiten.

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Die Wurzeln der Obergrabenpresse reichen bis in die frühen 1970er-Jahre zurück, als der Maler Eberhard Göschel, der Bildhauer Peter Herrmann und der Künstler A.R. Penck bereits prägende Gestalten im Dresdner Kulturleben waren. Penck, bekannt für seine provokanten Theorien, entwickelte damals das Konzept "Vom Untergrund zum Obergrund" – eine Idee, die später die Ambitionen des Kollektivs widerspiegeln sollte. 1971 hatte er zudem die Künstlergruppe "Lücke" mitgegründet, die bis 1976 bestand.

Mitte der 1970er-Jahre nahmen die Pläne konkrete Formen an. Herrmann besaß eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die der Techniker Bernhard Theilmann sorgfältig restauriert hatte. Gleichzeitig suchte der Drucker Jochen Lorenz nach sinnstiftenderer Arbeit als dem üblichen Druck von Fahrplänen – seine Fähigkeiten sollten bald unverzichtbar werden.

Göschel und Herrmann waren zudem seit 1976 in der Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums aktiv und hatten dort Erfahrung in der Organisation von Ausstellungen gesammelt. 1978 dann bezog Göschel ein größeres Atelier, wodurch eine Dreizimmerwohnung frei wurde – ein Raum, der sich zum Experimentierlabor entwickeln sollte. Mit den richtigen Leuten, der nötigen Ausstattung und nun auch einem Arbeitsort nahm die Obergrabenpresse Gestalt an.

Das Kollektiv wurde schnell zu einem Treffpunkt für Künstler, die außerhalb staatlicher Institutionen Drucke, Bücher und Ausstellungen realisieren wollten. Ihre Arbeit verband traditionelle Drucktechniken mit avantgardistischen Ideen und schuf so eine seltene unabhängige Plattform in der DDR.

Die Dresdner Obergrabenpresse entstand aus einer Mischung aus künstlerischem Ehrgeiz und praktischer Gelegenheit. Sie bot Druckern, Malern und Bildhauern einen Ort, an dem sie trotz der damaligen Restriktionen frei zusammenarbeiten konnten. Ihr Vermächtnis liegt darin, sowohl als kreative Werkstatt als auch als leiser Widerstand gegen den kulturellen Status quo ihrer Zeit gewirkt zu haben.

Quelle