Willich plant 200 Wohnungen im Moltkedorf – doch Anwohner protestieren massiv
Songül EigenwilligWillich plant 200 Wohnungen im Moltkedorf – doch Anwohner protestieren massiv
Willich treibt die Pläne für den Bau von 200 neuen Wohnungen auf dem 2,9 Hektar großen Gelände des Moltkedorfs voran. Die Stadt steht vor einem dringenden Wohnungsbedarf, sieht sich aber zugleich mit wachsendem Widerstand der Anwohner konfrontiert. Mittlerweile haben über 1.200 Einwohner eine Petition gegen das Projekt unterzeichnet – mit Verweis auf Bedenken wegen des Verkehrsaufkommens, der Bebauungsdichte und des Verlusts von Grünflächen.
Die Bebauung soll eine Mischung aus Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und viergeschossigen Wohnblocks umfassen, die um Innenhöfe gruppiert werden. Der Zugang wäre über die Moltkestraße vorgesehen, wobei ein Einbahnstraßen-Ringsystem und unterirdische Parkplätze in Erwägung gezogen werden. Dennoch argumentieren viele Anwohner, der Plan gehe nicht auf Infrastrukturprobleme, Klimaschutzbelange und die Lebensqualität ein.
Das erste Konzept für das Moltkedorf wurde in einer frühen Planungsphase vorgestellt, wobei die Stadt den Bewohnern Mitsprache vor den endgültigen Entscheidungen zugesichert hatte. Ein Entwurf soll später Politikern und der Öffentlichkeit präsentiert werden – allerdings erst, nachdem Investoren gefunden und Ausschreibungen veröffentlicht wurden. Unterdessen steht die Schließung der nahegelegenen Flüchtlingsunterkunft Moltkedorf bis Ende des Jahres bevor.
Die Anwohner haben bereits eine gemeinsame Stellungnahme organisiert, die inzwischen von rund 800 Menschen unterstützt wird und die Hauptkritikpunkte auflistet. Sie warnen, dass die viergeschossigen Gebäude über die angrenzenden Kleingartenanlagen ragen und mit einer "unüberzeugenden städtischen Mauer" die Sicht versperren würden. Sorgen um den Verkehr dominieren ebenfalls die Debatte, da die einzige Zufahrtsstraße bereits jetzt unter Staus leidet und Rettungsfahrzeuge behindert. Parkplatzmangel und unzureichende Rad- und Fußwege – trotz geplanter Verbindungen zwischen der Krusestraße und An Liffersmühle – verstärken die Unzufriedenheit.
Ökologische Bedenken spielen in der Kritik eine zentrale Rolle. Anwohner betonen, dass Grünflächen die Luftzirkulation verbessern, Regenwasser aufnehmen und die Artenvielfalt fördern – Vorteile, die die Stadt ihrer Meinung nach ignoriert. Einige schlagen Alternativen vor, etwa die Bebauung von Brachflächen an anderen Standorten in Willich oder eine Verdichtung der Innenstadt. Andere fordern, das Moltkedorf-Gelände als öffentliche Grünfläche zu erhalten, was langfristig Kosten sparen und die Lebensqualität steigern würde.
Das rasante Wachstum der Petition – von 70 Unterschriften auf über 1.200 seit März 2026 – zeigt die Tiefe des Widerstands. Dennoch betont die Stadt, dass der Wohnungsdruck kaum Spielraum für Alternativen lasse. Anpassungen seien zwar möglich, doch der Kernplan mit 200 Wohneinheiten, Hofgestaltung und gemischten Haustypen bleibe vorerst bestehen.
Das Moltkedorf-Projekt schreitet angesichts tiefer Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern voran. Wird es wie geplant umgesetzt, schafft es dringend benötigten Wohnraum, verändert aber auch das Viertel durch dichtere Bebauung und veränderte Verkehrsströme. Die nächsten Schritte der Stadt – Feinabstimmung der Pläne, Investorensuche und Einbindung der Bürgerkritik – werden zeigen, ob der Entwurf überarbeitet wird oder der Widerstand weiter an Fahrt aufnimmt.






