Daniel Ris verlässt Neue Bühne Senftenberg nach fünf prägenden Jahren
Adelinde WalterDaniel Ris verlässt Neue Bühne Senftenberg nach fünf prägenden Jahren
Daniel Ris wird nicht als künstlerischer Leiter der Neuen Bühne Senftenberg verlängert
Nach fünf Jahren in dieser Position wird der Vertrag von Daniel Ris als künstlerischer Leiter der Neuen Bühne Senftenberg nicht verlängert. Trotz steigender Popularität und höherer Einnahmen des Theaters begründen Stadt- und Kreisvertreter ihre Entscheidung mit Führungsmängeln und finanziellen Verlusten. Die genauen Gründe bleiben jedoch spekulativ – einige bringen die Entscheidung mit Ris' klarer Haltung gegen rechtsextreme Politik in Verbindung.
Seine letzte Spielzeit wird dennoch wie geplant stattfinden und umfasst mutige Inszenierungen, die seinen unverwechselbaren Stil widerspiegeln – darunter eine satirische Auseinandersetzung mit der DDR-Sportkultur zur Eröffnung.
Unter Ris' Leitung erlebte die Neue Bühne Senftenberg eine Renaissance und gewann wieder regionale Aufmerksamkeit, ähnlich wie in ihren Glanzzeiten während der DDR. Er erweiterte das Publikum und steigerte die Eigenmittel des Theaters durch aufsehenerregende Veranstaltungen, etwa spektakuläre Saisoneröffnungen an historischen Orten. Die jüngste Produktion in der Niederlausitz-Halle verbindet Volkssport, eine Blasmusikband und eine Debatte über den Leistungswahn der DDR. Die Aufführung karikiert die militaristische Sporterziehung, spielt auf Doping an und thematisiert die extremen Anforderungen an Athleten.
Doch hinter den Kulissen wuchs die Spannung. Stadt und Landkreis werfen Ris vor, das Theater schlecht geführt, strukturelle Schwächen verursacht und einen finanziellen Schaden von 250.000 Euro angerichtet zu haben. Zwar räumte Bürgermeister Andreas Pfeiffer Ris' künstlerisches Talent ein, verwies aber auf ungelöste strukturelle Probleme und sogenannte "Haltungsfragen" – eine Aussage, die manche als Anspielung auf die Konflikte des Theaters mit der von der AfD dominierten Kommunalpolitik deuten. Ris, bekannt für seine offene Ablehnung rechtsextremer Gruppen, sieht sich mit Vermutungen konfrontiert, dass seine politische Haltung eine Rolle bei der Entscheidung spielte.
Konkrete Reformpläne wurden bisher nicht bekannt gegeben – lediglich vage Andeutungen, künstlerische und kaufmännische Leitung künftig zu trennen. Ris, zwar frustriert, konzentriert sich nun auf seine vierte und letzte Spielzeit und lotet gleichzeitig neue berufliche Perspektiven aus. Er hat bereits erste Vorstellungsgespräche außerhalb Senftenbergs geführt, was die Zukunft des Theaters weiter ungewiss erscheinen lässt.
Mit Ris' Abgang steht die Neue Bühne Senftenberg vor einem Übergang. Seine Amtszeit hinterlässt ein Theater mit gestärkten Finanzen und höherer Sichtbarkeit – aber auch offene Fragen zu Führung und politischem Einfluss. Stadt und Landkreis haben noch keine klaren Pläne für die nächste Phase vorgelegt, sodass die weitere Entwicklung der Institution ungewiss bleibt.






