HKW in Berlin: Wie ein Rap-Konzert die Kulturlandschaft spaltet
Das Berliner Haus der Weltkulturen (HKW) steht im Zentrum eines hitzigen kulturellen und politischen Streits. Die Absage eines Konzerts des schwäbischen Rappers Chefket – ausgelöst durch sein Tragen eines "Palästina"-T-Shirts am Jahrestag des Hamas-Angriffs 2023 – hat eine breite Welle der Empörung ausgelöst. Seither boykottieren Künstler in ganz Deutschland solidarisierend die Spielstätte, sodass das HKW isoliert und mit beschädigtem Ruf zurückbleibt.
Der Konflikt nahm seinen Lauf, als Chefket, vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt, für den 7. Oktober 2025 im HKW auftreten sollte. Seine Entscheidung, an diesem Datum das T-Shirt zu tragen, veranlasste Kulturminister Wolfram Weimer zum Eingreifen – die Vorstellung wurde abgesagt. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Sämtliche anderen deutschen Künstler verweigerten aus Protest weitere Auftritte im Haus.
Das HKW, seit 2023 unter der Leitung des Biologen und Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, stand bereits wegen seines "postkolonialen" Programms in der Kritik. Als erste große deutsche Kultureinrichtung unter ausschließlich nicht-weißer Leitung hatte es internationale Acts wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil präsentiert. Doch der Chefket-Vorfall vertiefte die Gräben – nun schwebt über deutschen Kulturinstitutionen der Vorwurf des Antisemitismus und der Radikalisierung.
Die Folgen sind verheerend: Das Goethe-Institut leitete Anfang 2026 eine Überprüfung der Fördergelder ein, andere Veranstaltungsorte strichen Chefkets Auftritte unter ähnlichem Druck. Frühere Konflikte – etwa die 2024 erfolgten Kürzungen der Zuschüsse für die Schriftstellerin Hengameh Yaghoobifarah oder die Absage einer Boykottdemo-Veranstaltung 2025 – verstärkten den Eindruck einer Kulturlandschaft in der Krise. Selbst Jan Böhmermanns Ausstellung The Possibility of Unreason, die dem HKW eigentlich Aufmerksamkeit verschaffen sollte, konnte nicht von der wachsenden Spaltung ablenken.
Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts wurde das HKW von der Bundespolitik lange ignoriert. Jetzt hat sein internationales Ansehen einen schweren Dämpfer erlitten – viele zweifeln daran, ob sich die Institution von diesem Schaden erholen kann.
Die Absage von Chefkets Konzert wirft die Zukunft des HKW in die Ungewissheit. Ohne Künstler, die dort auftreten wollen, steht seine Rolle als kultureller Knotenpunkt auf dem Spiel. Gleichzeitig zeigt die grundsätzliche Debatte über politische Äußerungen in deutschen Kultureinrichtungen keine Anzeichen einer Lösung.






