Regionalverkehr in Deutschland kämpft um finanzielle Überlebenschancen
Harro PohlRegionalverkehr in Deutschland kämpft um finanzielle Überlebenschancen
Regionalverkehr in Deutschland steht unter wachsendem Finanzdruck
Die regionalen Bahnverbindungen in Deutschland sehen sich einer immer größeren finanziellen Belastung gegenüber, da die Kosten steigen und die Förderung nicht Schritt hält. Betreiber warnen, dass höhere Trassengebühren und Inflation einige Strecken an den Rand des Kollapses bringen könnten. Das Problem hat bereits dazu geführt, dass ein großes Unternehmen in den vergangenen Jahren den Betrieb einstellen musste und ein anderes Insolvenz anmelden musste.
Die Schwierigkeiten begannen in den 1990er-Jahren, als Deutschland seine Bahnstrukturen umgestaltete. Die Bundes- und Landesbahnen wurden in eine Aktiengesellschaft überführt, während die Verantwortung für den Regionalverkehr auf die Länder überging. Seither konnte die Finanzierung dieser Strecken mit der Inflation nicht mithalten, sodass die Betreiber mit steigenden Ausgaben zu kämpfen haben.
Alle Züge, die das bundeseigene Schienennetz nutzen – auch Regionalbahnen –, müssen Infrastrukturgebühren zahlen. Anders als Busse, die von Mautgebühren befreit sind, sehen sich Bahnunternehmen zusätzlichen Kosten ausgesetzt, die ihre Budgets belasten. 2021 meldete Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, in Deutschland Insolvenz an, nachdem die Kosten nicht mehr tragbar waren. Kürzlich stellte National Express den Betrieb auf der Strecke Aachen–Hamm ein und begründete dies mit steigenden Ausgaben; gleichzeitig forderte das Unternehmen bessere Vertragsbedingungen.
Die Lage könnte sich weiter verschärfen, falls der Europäische Gerichtshof die derzeitige Obergrenze für Trassengebühren im Regionalverkehr aufhebt. Eine Entscheidung wird für Mitte 2026 erwartet. Ohne diese Deckelung drohen den Betreibern deutlich höhere Kosten, was zu weiteren Streichungen oder finanziellen Engpässen führen könnte.
Ein Lichtblick ist das Deutschlandticket, das bundesweite Nahverkehrsangebot. Seine Zukunft ist nun bis 2030 gesichert, wobei die Preise ab 2027 inflationsbereinigt angepasst werden sollen. Gleichzeitig unterstützen staatliche Unternehmen die Betreiber weiterhin durch den Kauf und die Verleihung von Zügen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Sollten die Kosten weiter steigen, könnte die finanzielle Belastung der Branche zu weiteren Streichungen oder Insolvenzen führen. Bund, Länder und Betreiber müssen die Finanzierungslücken schließen und die Trassengebühren reformieren, um weitere Einschränkungen zu vermeiden. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2026 wird eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Regionalverkehrs spielen.






