Solingen streitet über umstrittene ABC-Kurse für Sprachförderung in Kitas
Cynthia MatthäiSolingen streitet über umstrittene ABC-Kurse für Sprachförderung in Kitas
Ein neuer Vorschlag zur Einführung von ABC-Kursen für Kinder mit zusätzlichem Sprachförderbedarf hat in Solingen Kritik ausgelöst. Lokale Politikerinnen und Politiker argumentieren, dass der Plan bestehende Kita-Strukturen stören und nicht ausreichend in die aktuellen Programme integriert werden könnte. Befürchtet wird vor allem, dass Kinder aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen und parallele Fördersysteme geschaffen werden.
Das Sprachförderprogramm plusKita läuft seit 2021 in Solingen und wird mit erhöhten Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt. Ziel ist es, die frühe sprachliche Entwicklung von Kindern innerhalb der Kindertagesstätten zu stärken – detaillierte Ergebnisse für den Zeitraum 2021 bis 2026 stehen jedoch noch aus.
Kritikerinnen und Kritiker, darunter Vertreter von CDU und Grünen, befürworten zwar grundsätzlich die frühe Sprachförderung, warnen jedoch vor Schwächen im Konzept der ABC-Kurse. Die lokale Politikerin Maja Wehrmann betont, dass die Herausnahme von Kindern aus ihren Gruppen bewährte Lernroutinen unterbrechen und zu Stigmatisierung führen könnte. Jessica Schliewe ergänzt, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Kita-Settings gelinge, wo alltagsnahe Interaktionen die Fähigkeiten natürlich förderten.
Simone Lammert weist auf ein grundsätzlicheres Problem hin: Das neue Modell berge die Gefahr, ein separates Fördersystem zu schaffen, statt bestehende Strukturen zu stärken. Wichtige Akteurinnen und Akteure monieren zudem, dass die unklare Anbindung an aktuelle Programme die Planung vor Ort erschwere. Beide Parteien fordern stattdessen gezielte Investitionen in bewährte, kita-basierte Initiativen sowie eine engere Abstimmung zwischen Landes- und Kommunalbehörden.
Die Debatte spiegelt eine grundsätzliche Unsicherheit wider, wie frühe Sprachförderung am besten gestaltet werden soll. Lokale Verantwortliche betonen die Notwendigkeit praktikabler, integrierter Lösungen, die Kinder in ihrem gewohnten Kita-Umfeld belassen. Ein überarbeiteter Vorschlag, so die Forderung, müsse strukturelle Lücken schließen und eine nahtlose Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen sicherstellen.






